Die Auswirkungen des Coronavirus auf Messen

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Die Auswirkungen des Coronavirus auf Messen

Coronavirus beeinträchtig Messen in Deutschland und weltweit

Veröffentlicht am: 02.03.2020, Update: 18.05.2020

Hieß es noch am 13. Februar 2020 nach der Absage der Mobilfunkmesse MWC in Barcelona in einer Mitteilung des AUMA, dem Verband der deutschen Messewirtschaft, alle deutschen Messen finden statt, zeichnet sich jetzt zwei Wochen später ein ganz anderes Bild ab.

Die erste deutsche Messeveranstaltung, die von einer Absage bzw. Terminverschiebung durch den Veranstalter betroffen war, ist die Internationale Eisenwarenmesse in Köln. Die Messe, die vom 24. bis 24. Februar 2020 stattgefunden hätte, ist auf das Jahr 2021 verschoben worden. Ursprünglich wurden 3.000 Aussteller erwartet. Allein rund 1.200 aus China.

Vier Tage vor Beginn wurde die ITB Berlin 2020 komplett abgesagt. Der neue Termin ist vom 10. bis 14. März 2021. Das zuständige Berliner Gesundheitsamt Charlottenburg-Wilmersdorf hatte die Auflagen so stark erhöht, dass diese von der Messe Berlin nicht mehr umsetzbar waren.

Am 29.02.2020 hat sich die Messe Düsseldorf GmbH dazu entschieden, die Messen ProWein, wire, Tube, Beauty, Top Hair, Metav sowie die Energy Storage zu verschieben. Alle Messen hätten im März stattgefunden. Die Messe Düsseldorf folgt damit der Empfehlung des Krisenstabs der Bundesregierung, bei der Risikobewertung von Großveranstaltungen die Prinzipien des Robert-Koch-Instituts zu berücksichtigen. Darin heißt es:

„Massenveranstaltungen können dazu beitragen, das Virus schneller zu verbreiten. Daher kann je nach Einzelfall das Absagen, Verschieben oder die Umorganisation von Massenveranstaltungen gerechtfertigt sein, um der vorrangigen Gesundheitssicherheit der Bevölkerung Rechnung zu tragen. […]“

Verbot von Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern

Seit Mitte März sind Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern bis mindestens 31. August 2020 untersagt. Darunter fallen ebenfalls Messen und Kongresse. Die deutsche Messewirtschaft hat lange dafür gekämpft, Messen gesondert zu beurteilen und nicht mit Sportveranstaltungen oder Volksfeste in einen Topf zu werfen. Seit Anfang Mai 2020 gibt es nun Hoffnung. Die einzelnen Bundesländer entscheiden künftig über Messedurchführung auf der Basis von Hygiene- und Abstandsregeln.

Update

Nordrhein-Westfalen hat am 06.05.2020 beschlossen, dass Messen keine Großveranstaltungen sind. Ab 30.05.2020 dürfen Fachmessen und Kongresse unter Auflagen und mit Teilnehmer- und Besucherbeschränkungen wieder stattfinden.

Rheinland-Pfalz und Sachsen haben bekannt gegeben, Kongresse und Messen unter Auflagen ab Juni 2020 wieder zu öffnen.

Berlin verbietet bis zum 31.08.2020 Veranstaltungen mit mehr 1.000 Teilnehmern und bis 24.10.2020 mit mehr 5.000 Teilnehmern.

Hessen erlaubt unter Auflagen dienstliche Versammlungen bis 100 Teilnehmern.

In den restlichen Bundesländern bleiben Veranstaltungen weiterhin verboten.

Absagen oder Verschiebung von Messen

Viele Messen werden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, teilweise direkt in das Jahr 2021. Es ist fraglich, ob alle Aussteller beim Nachholtermin dabei sind oder die ursprünglich angepeilten Besucherzahlen erreicht werden können. Viele Aussteller greifen auf virtuelle oder digitale Messestände zurück, um mit ihren Kunden in Kontakt zu bleiben, Produktneuheiten zu präsentieren und neue Leads zu generieren.

Eine aktuelle Liste der verschobenen und abgesagten Messen und Ausstellungen weltweit finden Sie hier:

https://www.expodatabase.de/de/articles/125882-coronavirus-fuhrt-zu-messeabsagen

Die finanziellen Konsequenzen aus den Messeabsagen für Veranstalter und Aussteller

Die Beantwortung der Frage, wer die Kosten für die Absage trägt, richtet sich danach, ob es sich in dem Fall um höhere Gewalt handelt oder nicht.

In einem Interview mit Expocheck erklärt Martin Glöckner, Rechtsanwalt und Experte für Veranstaltungsrecht:

„Die Beurteilung dessen, was höhere Gewalt ist, richtet sich nach der konkreten Gefährdungssituation und der Möglichkeit, diese abzuwehren. Bei externen Faktoren, auf die keiner der Beteiligten Einfluss hat und die auch bei äußerster Sorgfalt nicht abgewendet werden können (Sturm, Epidemien etc.), spricht man rechtlich von höherer Gewalt. Bei der aktuellen Gefährdungslage bezüglich des Covid-19-Virus in Deutschland kann gegenwärtig nicht von höherer Gewalt gesprochen werden.“

Ob eine Veranstaltung stattfinden darf, entscheiden die zuständigen Behörden vor Ort. Das sind meist die Gesundheitsämter. Untersagt das Amt die Messe, kann sich der Veranstalter auf „höhere Gewalt“ berufen und muss keine Haftung übernehmen. Die Verträge werden rückabgewickelt. Sagen die Veranstalter eigenmächtig ab, drohen ihnen Schadenersatzanforderungen.

Wird eine Messe nicht abgesagt, sondern auf einen neuen Termin verschoben, sagt Martin Glöckner:

„Wenn eine Messe verlegt wird, wird ja die eigentliche Veranstaltung nicht mehr angeboten. Und es kann ja sein, dass der Aussteller den spontan festgelegten Ausweichtermin nicht wahrnehmen kann. In einem solchen Fall, in dem die Verlegung nicht auf höherer Gewalt beruht, kann sich ein ausstellendes Unternehmen vom Vertrag lösen und dessen Rückabwicklung verlangen. Oder aber der Aussteller akzeptiert, dass sein Vertrag mit dem Veranstalter auf den Alternativtermin transferiert wird.“

Wer trägt bei einer Absage bzw. Verschiebung der Messe wegen des Coronavirus die Kosten?

Die Absagen der Messen in Deutschland sind kurzfristig erfolgt. Oftmals war der Aufbau der Messestände bereits schon im Gange. Für die Aussteller stellt sich somit die Frage, wer die Kosten für die Dienstleister trägt.

Martin Glöckner meint dazu:

„Man richtet sich in diesen Fällen immer nach dem konkreten Vertragsverhältnis. Das ausstellende Unternehmen hat die Dienstleister beauftragt. Der Dienstleister ist zur Leistung bereit und insofern muss der Aussteller auch dessen Leistungen entsprechend vergüten.

Wird bei einer verlegten Veranstaltung der Alternativtermin von einem ausstellenden Unternehmen akzeptiert, so steht dem von ihm beauftragten Messebauunternehmen für den Messestand auch noch der volle Werklohn zu, da dessen Leistung für den Aussteller auch weiterhin werthaltig ist. Macht der Messebauer zudem noch weitere Kosten geltend, die im Zusammenhang mit dem ursprünglichen Termin angefallen sind (etwa Manpower oder Logistik), so gehen auch diese Kosten zulasten des Ausstellers.

Dieser kann dann aber eventuell diese umsonst getätigten Aufwendungen als Schadensersatz beim Veranstalter geltend machen. Ist der Alternativtermin der Messe für den Aussteller objektiv nicht wahrnehmbar, so hat er eventuell Schadensersatzansprüche gegen den Veranstalter in Höhe aller rechtmäßigen Forderungen seiner Dienstleister. In welcher konkreten Höhe der Dienstleister dann noch Ansprüche geltend machen kann und welche davon gegenüber dem Veranstalter geltend gemacht werden können, muss im konkreten Einzelfall jeweils gesondert geprüft werden.“

Die Auswirkungen auf das Messejahr 2020

Noch sind die endgültigen Auswirkungen nicht abzusehen. Sicher ist jedoch, dass wirtschaftliche Schäden, sowohl auf Veranstalter- als auch Ausstellerseite, unvermeidbar sind.  Laut Berechnungen des AUMA, der Verband der Deutschen Messewirtschaft, können die Messeabsagen in Deutschland zu 9,3 Mrd. Euro Verlusten für die Gesamtwirtschaft führen, 76.000 Arbeitsplätze wären betroffen, 1,5 Mrd. Euro Steuereinnahmen gingen verloren.

Positiv ist, dass die meisten Veranstaltungen nicht komplett abgesagt, sondern auf einen späteren Termin verschoben werden. Für die in den Herbst 2020 verschobenen Messen arbeiten die jeweiligen Messestandorte derzeit mit Hochdruck an umfangreichen Hygienekonzepten. Diese sehen unter anderem eine Reduzierung der Personendichte, die Einhaltung von mindestens 1,5 m Abstand, Bereitstellung von Desinfektionsmöglichkeiten und Möglichkeiten der Kontaktnachverfolgung vor.

Tagesaktuelle Informationen von Bundesgesundheitsministerium und Robert Koch Institut erhalten Sie auf diesen Seiten

Quellen:

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risiko_Grossveranstaltungen.pdf?__blob=publicationFile

https://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/verschieben-oder-verschmerzen-coronavirus-beeintraechtigt-messen-weltweit/25593144.html

https://www.expodatabase.de/de/articles/125886-messe-verschoben-aufgrund-des-covid-19

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/corona-gefahr-immer-mehr-grossveranstaltungen-werden-verschoben/25596300.html

https://www.ihm.de/besucherzentrum/faq/

https://famab.de/aktuelles/corona-virus-covid-19/

https://derbranchentreff.de/de/artikel/100/corona-virus-qa.html

Bild: Anna Shvets from Pexels