Die Auswirkungen des Coronavirus auf Messen

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Die Auswirkungen des Coronavirus auf Messen

Coronavirus beeinträchtig Messen in Deutschland und weltweit

Hieß es noch am 13. Februar 2020 nach der Absage der Mobilfunkmesse MWC in Barcelona in einer Mitteilung des AUMA, dem Verband der deutschen Messewirtschaft, alle deutschen Messen finden statt, zeichnet sich jetzt zwei Wochen später ein ganz anderes Bild ab.

Die erste deutsche Messeveranstaltung, die von einer Absage bzw. Terminverschiebung durch den Veranstalter betroffen war, ist die Internationale Eisenwarenmesse in Köln. Die Messe, die vom 24. bis 24. Februar 2020 stattgefunden hätte, ist auf das Jahr 2021 verschoben worden. Ursprünglich wurden 3.000 Aussteller erwartet. Allein rund 1.200 aus China.

Ebenfalls verschoben, auf den 27. September bis 02. Oktober 2020, wurde die Weltleitmesse für Licht und Gebäudetechnik, Light + Building in Frankfurt. Bereits erworbene Tickets behalten ihre Gültigkeit.

Vier Tage vor Beginn wurde die ITB Berlin 2020 komplett abgesagt. Der neue Termin ist vom 10. bis 14. März 2021. Das zuständige Berliner Gesundheitsamt Charlottenburg-Wilmersdorf hatte die Auflagen so stark erhöht, dass diese von der Messe Berlin nicht mehr umsetzbar waren.

Am 29.02.2020 hat sich die Messe Düsseldorf GmbH dazu entschieden, die Messen ProWein, wire, Tube, Beauty, Top Hair, Metav sowie die Energy Storage zu verschieben. Alle Messen hätten im März stattgefunden. Die Messe Düsseldorf folgt damit der Empfehlung des Krisenstabs der Bundesregierung, bei der Risikobewertung von Großveranstaltungen die Prinzipien des Robert-Koch-Instituts zu berücksichtigen. Darin heißt es:

„Massenveranstaltungen können dazu beitragen, das Virus schneller zu verbreiten. Daher kann je nach Einzelfall das Absagen, Verschieben oder die Umorganisation von Massenveranstaltungen gerechtfertigt sein, um der vorrangigen Gesundheitssicherheit der Bevölkerung Rechnung zu tragen. […]

Das Risiko von großen und oder schwer verlaufenden COVID-19 Ausbrüchen nach einer Übertragung von SARS-CoV-2 bei einer Veranstaltung hängt von der Zusammensetzung der Teilnehmer, Art und Typ der Veranstaltung sowie Möglichkeiten der Kontrolle im Falle eines Ausbruches zusammen.

Ein höheres Risiko kann basierend auf folgenden Kriterien angenommen werden bei:

(1) Eher risikogeneigter Zusammensetzung der Teilnehmer

  • Kommt eine größere Anzahl von Menschen zusammen, hohe Dichte?
  • Nehmen Menschen aus Regionen mit gehäuftem Auftreten von COVID-19-Fällen teil?
  • Nehmen Menschen aus anderen bekannten Risikogebieten teil?
  • Nehmen Menschen mit akuten respiratorischen Symptomen teil?
  • Nehmen ältere Menschen bzw. Menschen mit Grunderkrankungen teil?

(2) Eher risikogeneigter Art der Veranstaltung

  • Hohe Anzahl und Intensität der Kontaktmöglichkeiten?
  • Enge Interaktion zwischen den Teilnehmenden (z.B. Tanzen)?
  • Lange Dauer der Veranstaltungen?
  • Keine zentrale Registrierung der Teilnehmenden

(3) Eher risikogeneigter Ort der Veranstaltung und Durchführung

  • Sind bereits Infektionen in der Region der Veranstaltung aufgetreten?
  • Gegebenheiten der Örtlichkeit: Indoor-Veranstaltungen, begrenzte Räumlichkeiten, schlechte Belüftung der Räume?
  • Begrenzte Möglichkeiten/Angebote zur ausreichenden Händehygiene
  • Bereitschaft des Veranstalters zur Kooperation und Umsetzung von Maßnahmen.

[…]

Mögliche Maßnahmen

Die Zuständigkeit zur Veranlassung von Maßnahmen für Veranstaltungen obliegt den Veranstaltern sowie den lokalen Behörden vor Ort. Grundsätzlich ist möglich, die Veranstaltung durchzuführen, unter Auflagen zu erlauben, das Format anzupassen, aber auch die Verschiebung oder Streichung der Veranstaltung sind möglich.“

Schweiz und Frankreich verbieten Großevents generell

Die Schweiz untersagt sämtliche Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern. Aus diesem Grund wurde der Genfer Autosalon, der am 05. März angefangen hätte, abgesagt. Es wird kein Ersatztermin angeboten.

Das Verbot gilt bis zum 15. März 2020 und betrifft öffentliche wie private Events. Events mit weniger als 1.000 Teilnehmern müssen genehmigt werden.

Frankreich untersagt seit dem vergangenen Wochenende alle Großveranstaltungen mit mehr als 5.000 Teilnehmern. Wie lange dieses Verbot aufrechterhalten wird, ist zur Zeit nicht bekannt.

Verunsicherung bei Ausstellern und Besuchern

Doch nicht nur die Auflagen der zuständigen Gesundheitsämter für die Veranstalter erschweren die Durchführung einer Messe. Hinzu kommt, dass Aussteller und Besucher gleichermaßen verunsichert sind. Aussteller sagen aus Sorge um ihre Mitarbeiter reihenweise ihre Messeteilnahmen ab. Die Messe verliert damit an Attraktivität für die Besucher. Bei der „Embedded World 2020“, die vom 25. bis 27. Februar 2020 in Nürnberg stattfand, sagten im Vorfeld etwa 200 Unternehmen ihre Messeteilnahme kurzfristig ab. Die Besucherzahl lag mit 13.800 nicht halb so hoch wie im Vorjahr.

Viele Messen werden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Dennoch ist es fraglich, ob alle Aussteller beim Nachholtermin dabei sind oder die ursprünglich angepeilten Besucherzahlen erreicht werden können.

Eine aktuelle Liste der verschobenen und abgesagten Messen und Ausstellungen weltweit finden Sie hier:

https://www.expodatabase.de/de/articles/125882-coronavirus-fuhrt-zu-messeabsagen

Die finanziellen Konsequenzen aus den Messeabsagen für Veranstalter und Aussteller

Die Beantwortung der Frage, wer die Kosten für die Absage trägt, richtet sich danach, ob es sich in dem Fall um höhere Gewalt handelt oder nicht.

In einem Interview mit Expocheck erklärt Martin Glöckner, Rechtsanwalt und Experte für Veranstaltungsrecht:

„Die Beurteilung dessen, was höhere Gewalt ist, richtet sich nach der konkreten Gefährdungssituation und der Möglichkeit, diese abzuwehren. Bei externen Faktoren, auf die keiner der Beteiligten Einfluss hat und die auch bei äußerster Sorgfalt nicht abgewendet werden können (Sturm, Epidemien etc.), spricht man rechtlich von höherer Gewalt. Bei der aktuellen Gefährdungslage bezüglich des Covid-19-Virus in Deutschland kann gegenwärtig nicht von höherer Gewalt gesprochen werden.“

Ob eine Veranstaltung stattfinden darf, entscheiden die zuständigen Behörden vor Ort. Das sind meist die Gesundheitsämter. Untersagt das Amt die Messe, kann sich der Veranstalter auf „höhere Gewalt“ berufen und muss keine Haftung übernehmen. Die Verträge werden rückabgewickelt. Sagen die Veranstalter eigenmächtig ab, drohen ihnen Schadenersatzanforderungen.

Wird eine Messe nicht abgesagt, sondern auf einen neuen Termin verschoben, sagt Martin Glöckner:

„Wenn eine Messe verlegt wird, wird ja die eigentliche Veranstaltung nicht mehr angeboten. Und es kann ja sein, dass der Aussteller den spontan festgelegten Ausweichtermin nicht wahrnehmen kann. In einem solchen Fall, in dem die Verlegung nicht auf höherer Gewalt beruht, kann sich ein ausstellendes Unternehmen vom Vertrag lösen und dessen Rückabwicklung verlangen. Oder aber der Aussteller akzeptiert, dass sein Vertrag mit dem Veranstalter auf den Alternativtermin transferiert wird.“

Wer trägt bei einer Absage bzw. Verschiebung der Messe wegen des Coronavirus die Kosten?

Die Absagen der Messen in Deutschland sind kurzfristig erfolgt. Oftmals war der Aufbau der Messestände bereits schon im Gange. Für die Aussteller stellt sich somit die Frage, wer die Kosten für die Dienstleister trägt.

Martin Glöckner meint dazu:

„Man richtet sich in diesen Fällen immer nach dem konkreten Vertragsverhältnis. Das ausstellende Unternehmen hat die Dienstleister beauftragt. Der Dienstleister ist zur Leistung bereit und insofern muss der Aussteller auch dessen Leistungen entsprechend vergüten.

Wird bei einer verlegten Veranstaltung der Alternativtermin von einem ausstellenden Unternehmen akzeptiert, so steht dem von ihm beauftragten Messebauunternehmen für den Messestand auch noch der volle Werklohn zu, da dessen Leistung für den Aussteller auch weiterhin werthaltig ist. Macht der Messebauer zudem noch weitere Kosten geltend, die im Zusammenhang mit dem ursprünglichen Termin angefallen sind (etwa Manpower oder Logistik), so gehen auch diese Kosten zulasten des Ausstellers.

Dieser kann dann aber eventuell diese umsonst getätigten Aufwendungen als Schadensersatz beim Veranstalter geltend machen. Ist der Alternativtermin der Messe für den Aussteller objektiv nicht wahrnehmbar, so hat er eventuell Schadensersatzansprüche gegen den Veranstalter in Höhe aller rechtmäßigen Forderungen seiner Dienstleister. In welcher konkreten Höhe der Dienstleister dann noch Ansprüche geltend machen kann und welche davon gegenüber dem Veranstalter geltend gemacht werden können, muss im konkreten Einzelfall jeweils gesondert geprüft werden.“

Die Auswirkungen auf das Messejahr 2020

Noch sind die endgültigen Auswirkungen nicht abzusehen. Sicher ist jedoch, dass wirtschaftliche Schäden, sowohl auf Veranstalter- als auch Ausstellerseite, unvermeidbar sind. Die FAMAB (FAchverband Messe- und AusstellungsBau) hat gemeinsam mit dem R.I.F.E.L. Institut den aktuellen – und ständig steigenden – Schaden für die deutsche Messebaubranche ermittelt. Dieser beläuft sich bereits auf 426 Mio. EUR für deutsche Messebauunternehmen.

Die Absagen treffen insbesondere Messen mit einem großen internationalen Anteil an Ausstellern und Besuchern. Messen, die eher national geprägt sind, werden bis jetzt in Absprache mit dem zuständigen Amt noch nicht abgesagt. Das kann sich allerdings täglich ändern. Die LogiMAT 2020 sollte nach Aussage des Veranstalters (Stand: 02.03.2020) stattfinden. Am 04.03.2020 erfolgte dann die Absage. Angeordnet hat sie das zuständige Ordnungsamt Leinfelden-Echterdingen auf dringende Empfehlung des zuständigen Gesundheitsamtes des Landkreises Esslingen.

Die Gallery SHOES, die internationale Fashion Trade Show der Igedo Company für Schuhe und Accessoires, fand planmäßig auf dem Gelände des Areal Böhler statt. Nach Einschätzung der Behörden in Deutschland bestand keine Gefährdung. Die Verantwortlichen sowohl der Igedo Company als auch des Areal Böhler standen in engem Austausch mit den Gesundheitsbehörden. Empfehlungen und Anweisungen der Behörden wurden umgesetzt.

Präventiv ergreifen alle Veranstalter Hygienemaßnahmen, auf die sich Aussteller und Besucher einstellen müssen. Dazu zählen bspw. die erhöhte Reinigungs- und Desinfektionsvorsorge an Ein- und Ausgängen, Sanitäranlagen, öffentlichen Touchscreens etc.

Positiv ist, dass die meisten Veranstaltungen nicht komplett abgesagt, sondern auf einen späteren Termin verschoben werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Situation bis dahin entspannt hat.

Tagesaktuelle Informationen von Bundesgesundheitsministerium und Robert Koch Institut erhalten Sie auf diesen Seiten

Quellen:

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risiko_Grossveranstaltungen.pdf?__blob=publicationFile

https://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/verschieben-oder-verschmerzen-coronavirus-beeintraechtigt-messen-weltweit/25593144.html

https://www.expodatabase.de/de/articles/125886-messe-verschoben-aufgrund-des-covid-19

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/corona-gefahr-immer-mehr-grossveranstaltungen-werden-verschoben/25596300.html

https://www.ihm.de/besucherzentrum/faq/

https://famab.de/aktuelles/corona-virus-covid-19/

https://derbranchentreff.de/de/artikel/100/corona-virus-qa.html

Bild: Anna Shvets from Pexels